Gegen Kürzung beim Blindengeld

Tagesspiegel, 28.08.2003

Sehbehinderte sammelten 28 000 Protest-Unterschriften

Fast 28 000 Unterschriften hat der Berliner Blinden- und Sehhilfeverein am Mittwoch dem Parlamentspräsidenten Walter Momper (SPD) übergeben. Die Protestaktion unter dem Motto "Weniger Blindengeld = Weniger Gleichberechtigung" richtet sich gegen die geplante Kürzung des Blindengeldes für rund 3000 Betroffene von monatlich 579 auf 468 Euro. Auch die Unterstützung von 2100 hochgradig Sehbehinderten in Berlin soll von 240 auf 117 Euro reduziert werden. Das Pflegegeld für Taubblinde will der Senat von 1189 auf 585 Euro monatlich kürzen. Momper will die Unterschriften dem Petitionsausschuss übergeben.

DIE AKTUELLE FRAGE

"Abschied von der sozialen Gerechtigkeit"

Herr Schmidt, was bedeutet für Sie die Kürzung des Blindengeldes?

Wir Sehbehinderte sind auf Hilfe angewiesen: im Haushalt, beim Einkaufen oder zum Vorlesen der Post. Außerdem benötigen wir Hilfsmittel. Eine Blindenuhr zum Beispiel kostet 150 Euro, eine sprechende Personenwaage bekommen Sie nicht unter 100 Euro. Oder nehmen Sie den Krimi "Brandmauer" von Henning Mankell. Für das Buch zahlen Sie elf Euro, in Blindenschrift kostet der Krimi 325 Euro.

Der Senat verteidigt die geplante Kürzung damit, dass Berlin Leistungsvorsprünge gegenüber anderen Bundesländern hat.

In Berlin ist das Blindengeld nicht höher als in Hamburg oder im Saarland. Sollte aber bei uns Sehbehinderten gekürzt werden, ist das der Abschied vom rot-roten Leitbild der sozialen Gerechtigkeit.

Bildunterschrift: MANFRED SCHMIDT (67) ist Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenvereins in Berlin. Der 1874 gegründete Verein hat knapp 2600 Mitglieder.



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