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Zur
Entstehung des ABSV
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Irgendwann in der ersten Hälfte des Jahres 1874 saßen vier Herren in angeregter Unterhaltung beieinander. Da drei von ihnen blind waren, drehte sich das Gespräch auch bald um die Lage der Blinden und wie sie verbessert werden könnte. Nur halb im Scherz variierte der Sehende im Kreise, Direktor Carl Friedrich Roesner von der Königlichen Blindenanstalt Berlin, den satirischen Ausspruch von Heinrich Heine, dass in Deutschland doch schon drei Männer ausreichen, um einen eigenen Verein zu bilden. Sie seien zu dritt, also ausreichend, um den Verein zu gründen. Er könne sich als Sehender dann getrost zurücklehnen. Neben Roesner ist uns der Name des Organisten und Musiklehrers Carl Franz aus der Runde überliefert, die zwei anderen bleiben im Dunkel der Geschichte. Der Gedanke eines Blindenvereins geisterte bereits seit Jahren durch Deutschland. Nachdem es mehrere Hilfs- und Fürsorgevereine Sehender für Blinde gab, griffen nunmehr Nichtsehende als Ergänzung die Gründung von Blindenselbsthilfevereinen auf. Gerade das war es, was die vier Herren in Berlin wollten. Sie wünschten unabhängige und gleichberechtigte Partner und nicht Anhängsel der Einrichtung Sehender für Blinde zu sein. Die drei Herren waren nicht nur von Direktor Roesner als Ratgeber gern gesehen, sondern hatten sich auch als Organisten und Lehrer Anerkennung unter den Bürgern Berlins errungen. Sie litten aber unter dem schlechten Image und den Diskriminierungen ihrer Leidensgefährten, die sich erschwerend für ihr eigenes Fortkommen auswirkten. Außerdem wußten sie, dass die Urteile gegenüber den Nichtsehenden vielfach berechtigt waren. Um so mehr traf sie der Vorwurf, den G. Freudenberg in dem Büchlein "Gründliche Hülfe für Blinde in geistiger und leiblicher Beziehung" (Berlin 1848) aussprach. Er warf jenen Nichtsehenden vor, "denen die Vorsehung eine bessere Lage zugeteilt hat", sich ihrer weniger begünstigten Schicksalsgefährten zu schämen, "statt für sie zu wirken". In dieser Runde der vier Herren nahm die Idee von der Gründung eines Blindenselbsthilfevereins Gestalt an, und sie begannen mit den Vorbereitungen zur Konstituierung des Allgemeinen Blinden-Vereins (ABV) in Berlin, die am 5. Juli 1874 erfolgte. Was seither geschah, wie umfangreich und umfassend sich der ABSV sozialpolitisch engagierte, welche Rückschläge wir hinnehmen mußten und welche Erfolge wir erzielten, wann und wie es zur Gründung der deutschen, europäischen und weltweiten Selbsthilfeorganisation der Blinden und Sehbehinderten kam, können Sie in dem Buch "125 Jahre Blindenselbsthilfe - Die Geschichte des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin gegr. 1874 e. V." - nachlesen. Das Buch (288 Seiten, ca. 90 Abbildungen) kann zum Preis von € 15,25, in Großdruck, in Blindenschrift und als Hörbuch (jeweils mit angehängter Materialsammlung) beim ABSV bezogen werden. |
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