Per Bus über die Straße


Anlässlich des 3. Dezembers 2010, des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung, möchten wir an folgendem Beispiel darauf aufmerksam machen, dass behinderte Menschen noch mit vielen Alltagsproblemen zu kämpfen haben, für die es eigentlich eine Lösung gäbe.

Werner S. ist blind und hat keine Möglichkeit, den stark befahrenen Kurt-Schumacher-Damm zu Fuß zu überqueren, ohne zu riskieren, von einem Auto erfasst zu werden. Eine Blindenampel oder, wie es offiziell heißt, eine Lichtsignalanlage mit Zusatzeinrichtungen für Blinde, würde ihm helfen, denn die "normale" Ampel ohne akustische Signale nützt ihm nichts. Ampeln, die auch von blinden und sehbehinderten Menschen genutzt werden können, sind in Berlin keine Selbstverständlichkeit. Bereits vor mehr als zwei Jahren wurde vom Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegr. 1874 e.V. (ABSV) die Installation einer Blindenampel bei der Verkehrslenkung Berlin (VLB), der zuständigen Behörde bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, beantragt. Im Juni 2009 wurde die Installation der Anlage für die zweite Jahreshälfte 2009 angekündigt, aber nicht ausgeführt. Weitere Nachfragen blieben erfolglos.

Um die Straße zu überqueren, um z. B. Einkäufe zu erledigen, benutzt Werner S. nun ein öffentliches Verkehrsmittel. Er steigt in den Bus 128 und fährt bis Endstation Flughafen Tegel. Dort wartet er, bis der Busfahrer seine Pause beendet hat, um dann mit dem gleichen Bus auf der anderen Straßenseite zurückzufahren und an der Haltestelle, die sich gegenüber seiner Einstiegshaltestelle befindet, auszusteigen. Die Busfahrer kennen ihn inzwischen gut und wundern sich nicht mehr über sein ungewöhnliches Fahrverhalten. Doch während das Überqueren einer Straße ein paar Minuten in Anspruch nimmt, muss Werner S. für seine Einkäufe ungleich mehr Zeit einplanen, denn zurück auf seine Straßenseite muss er natürlich auch wieder mit dem Bus fahren. Ein kleiner Trost: Die Bushaltestelle auf der Wohnortseite von Werner S. ist eine der wenigen von über 6.000 Haltestellen in Berlin, die durch entsprechende Bodenindikatoren so ausgestattet sind, dass sie von blinden und sehbehinderten Menschen gefunden werden können. Für seine Rückfahrt muss Werner S. die Haltestelle noch mühsam suchen.


Pressekontakt:
Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegr. 1874 e. V. (ABSV)
Paloma Rändel, Öffentlichkeitsarbeit
Auerbacher Straße 7, 14193 Berlin
Tel. 030 / 895 88-123, Fax 030 / 895 88-99
E-Mail: paloma.raendel@absv.de

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