„Autofahren für Blinde und Sehbehinderte" mit Anmelderekord


Die Aktion, die Blinden und Sehbehinderten das aktive Führen eines Fahrzeugs ermöglicht, findet am kommenden Sonntag bereits zum achten Mal statt und ist mit fast 400 Anmeldungen die bisher größte Veranstaltung ihrer Art.

Berlin, 19. April 2007
Am Sonntag, 22. April 2007 findet auf Initiative des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin gegr. 1874 e.V. (ABSV) in Kooperation mit den Fahrlehrerverbänden in Berlin und Brandenburg im Driving Center von Michelin in Groß Dölln ein „Autofahren für Blinde und Sehbehinderte“ statt. Die Aktion steht unter der Schirmherrschaft von Ingeborg Junge-Reyer, Senatorin für Stadtentwicklung in Berlin sowie Reinhold Dellmann, Minister für Infrastruktur und Raumordnung im Land Brandenburg.

Für Blinde und Sehbehinderte ist die Veranstaltung etwas ganz Besonderes. Sie haben an diesem Tag die einmalige Chance, ihre Fahrkünste zu testen, was ihnen im „normalen Straßenverkehr“ aufgrund ihrer Behinderung nicht möglich ist. Bis zum heutigen Zeitpunkt haben sich bereits 386 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet angemeldet. Damit hat sich die Aktion, die im zweijährigen Abstand stattfindet, zu einem mit großer Spannung erwarteten Highlight unter den Blinden und Sehbehinderten entwickelt.

Die Idee hatte Dr. Detlef Friedebold, selbst blind und immer offen für neue Anregungen, bereits Anfang der 90er Jahre. „Wir wollten damals das Unmögliche möglich machen und Blinden die Möglichkeit geben, selbst einmal hinter dem Steuer zu sitzen. Die Idee kam offenbar so gut an, dass sich die Veranstaltung inzwischen zu einer Tradition entwickelt hat“, freut sich Dr. Detlef Friedebold, der sich als stellvertretender ABSV-Vorsitzender aktiv für die Belange von Blinden und Sehbehinderten einsetzt. Als Partner konnten von Anfang an die Fahrlehrerverbände in Berlin und Brandenburg gewonnen werden, deren Mitgliedsfahrlehrer und -fahrschulen mit großer Begeisterung ehrenamtlich dabei sind.

„Wir unterstützen die Veranstaltung gerne und freuen uns, in diesem Jahr mit der Anlage in Groß Dölln besonders günstige Bedingungen zu haben“, erklärt Peter Glowalla, Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbands Berlin e.V. Das Driving Center von Michelin in Groß Dölln ist das größte europäische Gelände für Fahrtraining. Hier sind Fahr- und Lenkübungen sowie Beschleunigungs- und Bremsmanöver ohne Risiko unter dem sicheren Schutz der Fahrlehrer möglich. Etwa rund 100 Fahrlehrer aus Berlin und Brandenburg haben sich in diesem Jahr bereit erklärt, die Aktion ehrenamtlich zu begleiten und dafür ihre Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen. Für Berliner Teilnehmer richten sie außerdem einen Transfer zum Veranstaltungsort ein.

Doch für die Initiatoren hat die Veranstaltung auch einen ernsten Hintergrund: „Wir sehen darin nicht nur eine Bespaßung, sondern auch den Aspekt der Verkehrssicherheit. Die Anregungen, die wir an diesem Tag durch Gespräche mit blinden und sehbehinderten Fahrern bzw. durch eigene Eindrücke bekommen, geben wir anschließend in unseren Schulungen an unsere Fahrschüler weiter“, so Glowalla.

Blinde und Sehbehinderte leiden im Straßenverkehr insbesondere unter der Unkenntnis oder Gedankenlosigkeit der Autofahrer. Die Blinden-Kennzeichnungen, wie der weiße Stock, der Führhund oder die Armbinde, werden häufig übersehen oder es erfolgt keine angemessene Reaktion darauf. Auch das rücksichtslose Parken von Fahrzeugen auf Gehwegen stellt für blinde und sehbehinderte Fußgänger eine häufige Unfallquelle dar.

Um auch Blinden und Sehbehinderten wiederum die Gefahren des Autofahrens zu verdeutlichen, besteht in den Fahrpausen die Möglichkeit, ein Crash-Fahrzeug abzutasten. Ferner wird mit einem Gurtschlitten, den die Verkehrswacht Fürstenwalde zur Verfügung gestellt hat, die Wichtigkeit des Anschnallens demonstriert.

Die Veranstaltung wird von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren unterstützt. Ein besonderer Dank geht an die etwa einhundert Fahrlehrer, die ehrenamtlich präsent sind und auch ihre Fahrzeuge zur Verfügung stellen sowie an den Betriebsleiter des Driving Centers von Michelin in Groß Dölln, Peter Moers, für die Möglichkeit, die Anlage zu nutzen, an die Verkehrswacht Fürstenwalde, an die Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde von 1860 (GDB) und an die vielen Sponsoren einer Tombola.

Kontakt:
Dr. Detlef Friedebold (für inhaltliche Fragen bzw. für Interviews)
Telefon: (0171) 834 37 69

Kontakt:
ABSV Berlin
Paloma Rändel, Öffentlichkeitsarbeit
Auerbacher Str. 7
14193 Berlin
Tel.: (030) 895 88-123
Fax: (030) 895 88-99
E-Mail: paloma.raendel@absv.de

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