23. Juni 2009
Blinde und Sehbehinderte
fuhren Auto in Groß Dölln
Eberhard Dietrich hat sich
schon lange auf diesen Tag gefreut. Endlich ist es soweit: Ein sympathischer
Fahrlehrer steht mit seinem roten Golf bereit.
Nach einer kurzen Einweisung geht`s los. Das Auto bewegt sich ruhig
über die Piste, zu hören ist nur die Stimme des Fahrlehrers:
"Ein bisschen nach rechts, jetzt voll nach links und Kupplung treten."
Der blinde Fahrer hört konzentriert zu, befolgt akkurat die Anweisungen
des Fahrlehrers und sitzt entspannt am Steuer des Fahrzeugs. Jetzt biegt
das Auto auf eine gerade Strecke - eine Chance, stärker auf`s Gaspedal
zu treten. Die Tachonadel schlägt aus und zeigt 160 km/h an. Kein
Problem, die riesige Anlage erlaubt schnelles Fahren sowie Lenk- und
Bremsmanöver ohne Risiko. Auf eine schnelle Reaktionszeit kam es
bei dem anschließenden Hütchen-Parcours an, links, rechts,
links, rechts - kein Hütchen ist umgefahren worden. Und zum Schluss
noch einmal eine große Runde zur Entspannung. Eberhard Dietrich
ist zufrieden und schmunzelt: "So schnell bin ich letztes Mal nicht
gefahren."
Ähnlich begeistert waren die Reaktionen der über 350 blinden
und sehbehinderten Teilnehmer aus ganz Deutschland, die sich am vergangenen
Samstag in Groß Dölln getroffen haben, um einmal selbstständig
ein Fahrzeug zu fahren. Neben PKWs verschiedener Fabrikate standen sogar
LKWs und Busse zur Verfügung. Das Autofahren für Blinde und
Sehbehinderte ist in dieser Größenordnung einzigartig und
verdankt seinen Erfolg der langjährigen Kooperation des Allgemeinen
Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin mit den Fahrlehrerverbänden
Berlin und Brandenburg sowie dem Driving Center Groß Dölln,
das seine für diese Veranstaltung geradezu ideale Anlage kostenfrei
zur Verfügung gestellt hat. Der ehemalige Militärflugplatz
ist heute das größte Fahrtrainingszentrum Europas.
Rund 100 Fahrlehrer aus Berlin
und Brandenburg waren mit ihren Fahrschulfahrzeugen in die Schorfheide
gekommen, um den blinden und sehbehinderten Menschen dieses Fahrerlebnis
zu ermöglichen. Für sie war es selbstverständlich, dass
sie so einen Tag ehrenamtlich unterstützen und dabei sogar auf
mögliche Einnahmen verzichten.
Viele der Teilnehmer waren
bereits zum wiederholten Mal dabei, schließlich findet das Autofahren
für Blinde und Sehbehinderte bereits zum neunten Mal statt. In
diesem Jahr gab es besonders spannende
Zusatzangebote: So konnte man in einem Überschlagfahrzeug erfahren,
wie wichtig es ist, sich anzuschnallen und trainieren, wie man sich
aus einem auf dem Kopf stehenden Fahrzeug befreit. Viele Blinde und
Sehbehinderte konnten an diesem Tag zum ersten Mal Motorrad oder Quad
fahren - das allerdings auf dem Sozius. Ganz Mutige nahmen an einem
Rundflug über das Gelände teil. Bei schönem Wetter und
volksfestartiger Stimmung kam jeder auf seine Kosten. Erschöpft,
aber glücklich nahmen alle Teilnehmer am späten Nachmittag
wieder Platz in "ihrem" Fahrschulfahrzeug, mit dem sie zurück
nach Berlin gebracht wurden.
Pressekontakt:
Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegr. 1874 e. V.
(ABSV)
Paloma Rändel, Öffentlichkeitsarbeit
Auerbacher Straße 7, 14193 Berlin
Tel. 030 / 895 88-123, Fax 030 / 895 88-99
E-Mail: paloma.raendel@absv.de
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