Welche Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte gibt es?
Von der sprechenden Waage bis zum Orientierungstraining


B.Z. vom 11.10.2007

Von Beate Drews

"Mein Augenlicht schwindet. Bald werde ich blind sein." Ein Schicksalsschlag, der jeden treffen kann und das Leben komplett verändert. Zum Anlass der Woche des "Sehens" beantworten zwei Experten in der BZ-Telefonaktion Fragen zum Thema "Sehbehinderung":

Seit ich sehbehindert bin, fühle ich mich oft hilflos. Was tun?

Eine Anlaufstelle ist z. B. der Allg. Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV). Dort können Sie mit speziellem Training für lebenspraktische Fähigkeiten (Haushalt) und für Orientierung und Mobilität (Straßenverkehr) lernen, am Leben wieder teilzunehmen.

Welche Hilfsmittel für Sehbehinderte gibt es?

Wichtig sind spezielle Alltagsgegenstände, die mit besonders großen Zahlen oder Buchstaben versehen sind (z. B. Kalender, Uhren, Kartenspiele). Manches funktioniert über Ansagen, wie sprechende Uhren, Küchenwaagen, Taschenrechner etc. Eine wichtige Rolle im Arbeitsleben spielen vergrößernde Sehhilfen, Sprachausgaben am Computer oder an Handys.

Früher habe ich viele Informationen im Internet gefunden. Wo bekomme ich diese jetzt?

Es gibt spezielle Softwareprodukte, Großschriftprogramme und sogenannte Screenreader oder Bildschirmleseprogramme. Blinde und sehbehinderte Menschen können damit die gleichen Informationen aus dem Internet entweder größer oder durch Ansprache bzw. taktil (tastend) über eine Braillezeile (Blindenschrift) bekommen.

Meine Mutter kann nicht mehr lesen. Was kann ich tun?

Sehbehinderte Menschen können mit vergrößernden Hilfen (z. B. Lupen) ihren Sehrest nutzen, um Zeitungen oder Bücher zu lesen. Für Blinde gibt es Hörbücher (z. B. die sogenannten Daisy-Hörbücher).

Ich habe eine feuchte Macula-Degeneration. Mein Augenarzt empfiehlt mir eine Spritze ins Auge, bei der ich 300 Euro zuzahlen soll. Raten Sie mir dazu?

In den meisten Fällen ist diese Behandlungsmethode derzeit die erste Wahl bei der feuchten Macula-Degeneration. Leider ist diese Methode noch keine Regelleistung der Krankenkassen. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob Sie doch mehr von den Kosten übernimmt. Handeln Sie schnell.

Auf einem Auge bin ich blind, auf dem anderen habe ich noch zehn Prozent Sehrest. Bekomme ich Blindengeld?

Geld gibt es erst für hochgradig Sehbehinderte, die auf dem besseren Auge ein Restsehvermögen von fünf Prozent haben (118 Euro im Monat). Liegt das Sehvermögen unter zwei Prozent, gibt es rund 470 Euro im Monat (Blindengeld).

Wilfried Kellinghusen: ABSV berät und vertritt Sie in allen Fragen der Sehbehinderung o. Blindheit. Rufen Sie an

Dr. Christine Stamm: Es gibt viele Hilfen für Sehbehinderte, fragen Sie in der Beratungsstelle in Mitte nach

Hier gibt es mehr Tipps und Infos:

Beratungsstelle für Sehbehinderte: Bezirksamt Mitte von Berlin, Reinickendorfer Str. 60 b, 13347 Berlin, Tel. 2009 45 246, bfs@ba-mitte.verwalt-berlin.de, Dr. Christine Stamm, Augenärztin und Leiterin der Beratungsstelle

ABSV, Auerbacher Str. 7, Berlin-Grunewald, Tel. 895 880, hier gibt es Beratung, Training und auch den Hilfsmittelladen für Sehbehinderte, Blinde

Makula-Stammtisch: Beratung, Information, Austausch unter Betroffenen. Nächster Termin: 14. Nov. 2007, im ABSV in der Auerbacher Str. 7, Berlin-Grunewald. Anmeldung und Infos: Tel. 895 880

Hilfsmittelausstellung für Blinde u. Sehbehinderte, wo: ABSV, wann: 19.10. (10-18 Uhr), 20.10. (10-15 Uhr), Eintritt frei.

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