Telefonaktion: Behandlung von Augenleiden und Hilfen für Sehbehinderte


Berliner Morgenpost, 14.10.2003

Ab 40 einmal pro Jahr zum Augenarzt

von Maggie Riepl

Für ältere Menschen und Menschen mit Sehbehinderung ist es eine schreckliche Vorstellung, eines Tages nicht mehr lesen zu können. Doch wenn die Brille nicht mehr ausreicht, gibt es noch andere Hilfsmittel, um Post, Zeitungen, Bücher, aber auch Straßenschilder weiterhin lesen zu können und sich so die Selbstständigkeit im täglichen Leben zu erhalten, wie die Experten bei unserer Telefonaktion zum Thema Augenleiden am Sonntag betonten. Zum Beispiel kann man eine Lupe benutzen oder auch eine Lupe in eine Brille einarbeiten lassen. Für unterwegs sind auch kleine Fernrohre, die bis zu 15fach vergrößern, praktisch, um z. B. Fahrpläne zu lesen.
Lesehilfen und Lupenbrillen bekommt man bei Optikern, die sich auf diese Hilfsmittel spezialisiert haben. Die Adressen können Sie beim Augenarzt oder beim Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein (ABSB, Tel.: 895 88-0) erfragen. Weiterhin gibt es elektronische Lesehilfen wie das Bildschirmlesegerät, das eine 40fache Vergrößerung möglich macht. Oder Lesegeräte, die aus PC mit Sprachausgabe und Scanner bestehen.
Auch bei Augenleiden gibt es die größte Chance auf Heilung bei einer frühen Diagnose. Ein Glaukom (grüner Star), nicht rechtzeitig erkannt, kann zur Erblindung führen. Zwei Prozent der Deutschen erkranken jährlich am Glaukom, rund 1000 Menschen pro Jahr erblinden daran. Wenn man älter als 40 Jahre ist, sollte man einmal im Jahr beim Augenarzt den Augeninnendruck sowie den Sehnerv prüfen lassen. Zu den Risikogruppen gehören auch Menschen mit hoher Kurzsichtigkeit, aber nicht Diabetiker, wie oft angenommen. Bei ihnen ist es vielmehr wichtig, den Augenhintergrund zu kontrollieren, weil sich dieser verändern und es dadurch zu einer Erblindung kommen kann. Der Grüne Star wird zunächst mit Augentropfen behandelt. Wenn diese nicht mehr wirken, kann bei bestimmten Formen gelasert werden. Ansonsten bietet sich eine Operation an, die Abfluss für das Augenwasser schafft.
Die Ursache Nr 1. für eine Erblindung ist allerdings die Makula-Degeneration, bei der sich die Netzhaut in der Augenmitte verändert. Das Fatale: Schützen kann man sich nicht vor dieser Krankheit, heilen kann man sie auch nicht, lediglich aufhalten. Auch eine Entzündung der Regenbogenhaut kann unbehandelt zur Erblindung führen. Im Gegensatz zum Glaukom, das sich nicht oder erst zu spät ankündigt, ist eine Regenbogenhautentzündung extrem schmerzhaft und verbunden mit hoher Lichtempfindlichkeit.
Weltweit gibt es 50 Millionen Blinde, bei jedem zweiten hätte dies verhindert werden können. Denn in der Dritten Welt ist in 90 Prozent der Fälle der graue Star an einer Sehbehinderung schuld. 30 Euro würde dort eine entsprechende Operation kosten. Die Christoffel Blinden Mission setzt sich mit rund 1000 Projekten weltweit für sehbehinderte Menschen ein. Die Vision ist, dass es im Jahr 2020 keine vermeidbare Blindheit mehr gibt.

Morgen findet auf dem Breitscheidplatz (Charlottenburg) die Abschlussveranstaltung zur Woche des Sehens statt. Dort werden unter anderem Hörfilme in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gezeigt. Es finden Lesungen und andere Aktivitäten statt.
Wer sich einmal klar machen möchte, was Blindheit bedeutet, sollte morgen den Erlebnisgang der Christoffel-Blinden-Mission am Bebelplatz (Mitte) besuchen. Das ist ein zwölf Meter langer dunkler Tunnel durch den man sich mit einem Taststock bewegen muss.


Computer helfen beim Lesen

Grüner Star, Augenoperation, Behandlung von Entzündungen - das wollten Leser von den Fachleuten wissen

Ich habe immer vereiterte Lider und schon oft Tropfen bekommen. Was kann ich sonst noch tun?
Oft hilft es sehr, eine so genannte Lidpflege zu machen. Dazu legt man einen heißen Waschlappen fünf Minuten auf die Augen. Das führt dazu, dass der Talg besser abfließt und die Entzündung besser wird. Es gibt auch spezielle Augenpflegetücher.
Ich habe immer schwarze Punkte vor den Augen. Mein Augenarzt sagt, das sei ungefährlich. Kann man nicht irgendetwas tun?
Es gibt zwar die Möglichkeit, den Glaskörper, in dem die störenden Trübungen sind, mit einer Operation zu entfernen. Wegen der Risiken dieses Eingriffes würde Ihnen dies jedoch niemand wegen einiger schwarzer Punkte empfehlen. Solche Punkte haben viele Patienten, oft werden Sie nach einiger Zeit von alleine besser.
Ich habe auf dem linken Auge einen trüben Schatten. Man hat mir gesagt, das käme durch ein Glaukom. Ich habe aber immer Druckwerte von 17 oder 18 gehabt.
Wir haben keinen Augeninnendruckwert, den wir als feste Grenze angeben können, ab der es zu Schäden am Auge kommt. Sie sollten den Augeninnendruck weiter kontrollieren und behandeln lassen.
Ich hatte im Frühjahr einen Hirninfarkt, nach dem es zu blinden Stellen auf dem linken Auge gekommen ist. Ein Teil der blinden Stellen ist schon wieder verschwunden. Kann sich das noch bessern?
Wir rechnen normalerweise damit, dass es bis zu zwölf Monaten nach einer Schädigung noch zu Besserungen kommen kann. Sie haben daher gute Chancen, dass es noch besser wird.
Mein Onkel hat einen so genannten Fuchs'schen Fleck. Was kann man tun?
Bei einer starken Kurzsichtigkeit ist das Auge länger gebaut als normal. Dadurch kommt es besonders am hinteren Augenpol zu einem Einriss mit einer kleinen Blutung, die dann eine Narbe hinterlässt. Dadurch wird insbesondere die Lesefähigkeit stark beeinträchtigt. Eine Operation ist nicht möglich, man kann aber durch Lupen oder ähnliches die Lesefähigkeit wieder herstellen.
Ich habe Makula-Degeneration und kann nicht mehr lesen. Gibt es Hilfen?
Versuchen Sie es mit Lupenbrille oder Fernsehlesegerät. Sehr sinnvoll sind Hörbücher, die man kostenlos ausleihen kann. Es gibt in Berlin eine Blindenhörbücherei und weitere elf in Deutschland. Außerdem gibt es Zeitungen und Zeitschriften auf Kassette, die man entweder aus Leipzig, aus Hannover oder aus Holzminden beziehen kann.
Ich kann nicht mehr lesen. Lupen helfen nicht mehr. Ich hätte gern eine elektronische Lesehilfe. Was gibt es? Und wie bekomme ich es?
Es gibt zahlreiche elektronische Lesehilfen, vom Fernsehlesegerät über Lesegeräte, die aus Scanner, Computer und Sprachausgabe bestehen, bis hin zum Computer mit Braille-Zeile, Sprachausgabe oder Großschrift. Sie sollten zunächst prüfen, was für Sie am günstigsten ist, dann zum Augenarzt gehen und sich ein entsprechendes Rezept ausstellen lassen. Von der Herstellerfirma müssten Sie einen Kostenvoranschlag einholen und die Kostenübernahme von der Krankenkasse bestätigen lassen.
Warum geben Lichtsignalanlagen mit Blindeneinrichtungen sowohl bei Grün als auch bei Rot dasselbe Geräusch von sich?
Das tackende Geräusch dient nur zum Auffinden des Ampelmastes. An diesem hängt ein gelbes Kästchen, das an der unteren Seite einen Pfeil aufweist, auf den man drückt, um das eigentliche Freigabesignal auszulösen. Bei der nächsten Grünphase ertönt ein Piepton, so weiß der Blinde, dass er gehen kann.
Auf einem Auge sehe ich kaum noch etwas, und auf dem anderen Auge bin ich stark kurzsichtig. Welche Hilfen gibt es für mich bei der Computerarbeit?
Sie können die Computerschrift vergrößern, wenn das nicht ausreicht, gibt es Computer mit der entsprechenden Software, um Ausschnitte zu vergrößern. Alternativ gibt es auch Fernrohrbrillen, die aber für den Anwender sehr belastend sind. Lassen Sie sich von einem speziell ausgebildeten Optiker beraten. Adressen erhalten Sie beim Augenarzt oder beim Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin, Tel.: 89 58 80.
Ich bin besonders blendempfindlich. Was kann ich tun?
Es gibt spezielle Lichtschutzgläser, die die Blendung nehmen, aber die Umwelt nicht zu dunkel erscheinen lassen, was sonst auf Kosten der Sehfähigkeit geht.
Ich habe Makula-Degeneration. Gibt es eine Möglichkeit der Behandlung?
Grundsätzlich gibt es bei Makula-Degeneration keine Möglichkeit, durch Behandlung eine Besserung zu erreichen. Es gibt in bestimmten Fällen die Möglichkeit, mit Hilfe eines Farbstoffs und Laserstrahlen das Fortschreiten der Erkrankung für gewisse Zeit aufzuhalten.
Ich soll am grauen Star operiert werden, und jetzt hat man mich gefragt, ob ich lieber in der Ferne oder in der Nähe scharf sehen will. Kann ich mir das aussuchen?
Bei der Operation des grauen Stares wird die getrübte Linse entfernt. Dadurch geht die Brechkraft der Linse verloren. Früher hat man das mit Brillen ausgeglichen, weshalb die Patienten hinterher sehr dicke Brillengläser tragen mussten. Heute pflanzt man eine Linse in das Auge ein. Deren Stärke kann man wählen und daher aussuchen, ob man ohne Brille in der Nähe oder in der Ferne scharf sehen kann. Es gibt auch Linsen, die für Ferne und Nähe gleichzeitig sind. Diese haben jedoch wieder andere Nachteile.
Ich bin Krankenschwester, habe große Sehprobleme und möchte umschulen. Was kann ich tun?
Bei Ihnen würde sich eine Umschulung zur Masseurin oder Physiotherapeutin anbieten. Beides ist möglich in Chemnitz oder Mainz. Außerdem gibt es Berufsförderungswerke für Blinde und Sehbehinderte in Düren, Halle/Saale und Würzburg, die verschiedene Berufsmöglichkeiten anbieten.
Meine Mutter ist stark sehbehindert und möchte noch etwas unternehmen, am besten mit anderen Betroffenen. Wo findet sie Kontakt?
Der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverband Berlin (ABSV) bietet die unterschiedlichsten Aktivitäten an. Es gibt Bezirksgruppen des ABSV, die regelmäßig zusammen kommen, Ausflüge unternehmen, gemeinsam feiern und sich natürlich darüber austauschen, wie die Blindheit bzw. Sehbehinderung am besten zu bewältigen ist. Informationen gibt es unter Tel.: 89 58 80.

Bildunterschrift: Gaben zweieinhalb Stunden lang Auskunft am Morgenpost-Telefon: Dr. Barbara Stegemann, Werner Wagenmann, Dr. Manfred Schmidt, Ingeburg Bröther und Dr. Uwe Kraffel

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