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So fühlt sich Fußball an! |
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Wie erleben blinde Fans ein Spiel ihrer Mannschaft im Stadion? Ein Selbstversuch des "Welt am Sonntag"-Reporters von Lars Wallrodt Dunkelheit, ein Pfiff, Gebrüll. Ich spüre den Boden beben, wenn die Fans hüpfen. Sehen kann ich sie nicht. Für 90 Minuten habe ich mein Augenlicht eingetauscht gegen eine Augenbinde und einen Kopfhörer. Es ist unheimlich, in einem Fußballstadion zu sitzen und nichts zu sehen. "Du fühlst dich nicht wohl, oder?", fragt eine freundliche Stimme von rechts. Susanne Klausing, 42, tätschelt meinen Arm, und ich bin froh, dass sie da ist. Sie ist seit zehn Jahren blind. Ihretwegen bin ich heute hier. Wir treffen uns eine Stunde vor einem Zweitligaspiel in Berlin. Ich, der Sehende, und sie, die Blinde, die am Arm ihres nicht blinden Freundes Axel ins Stadion geführt wird, den weißen Stock immer voran. Er navigiert sie: Aber ich möchte wissen, wie das ist, Fußball zu erleben, ohne dabei sehen zu können. Die Idee dazu hatte ich, seit ich vom Hertha-Fanklub "Sehbären" Wie eine Radioübertragung Blinde Fans bekommen bei Hertha BSC einen Kopfhörer. Sie sitzen auf der Tribüne und lauschen der Stimme eines Reporters, der das Spiel für sie direkt aus dem Stadion kommentiert, ähnlich einer Radioübertragung. Es ist, als ob andere Sinne die Aufgaben meiner Augen übernehmen möchten. Ich rieche Glühwein, Zigarettenrauch. Jemand stößt an mein Knie. "Entschuldigung", sagt eine Frau mit netter Stimme. Ich lächele und denke kurz darüber nach, ob sie wohl hübsch ist. Susannes Freund Axel tippt mich an: "Und, wie geht es so weit?" Ich bin froh, dass jemand da ist zum Reden. "Axel, wie hat sich dein Leben geändert, als du Susanne kennengelernt hast?" Er erzählt: "Ich musste vieles umstellen, denke jetzt immer ein paar Schritte voraus. Und ich versuche, ihr die Dinge zu beschreiben, die ich sehe." Als die beiden sich kennenlernten, war Susanne schon blind. Sie hat ihn nie gesehen. "Er ist groß, hat kurze Haare und Segelohren", sagt sie und lacht. Susanne Klausing war 32, als sie innerhalb von zwei Minuten erblindete. Am 9. Januar 2001, das Datum wird sie nie vergessen, kam sie wegen einer Sehnerventzündung und hohem Blutdruck ins Krankenhaus. Die Äderchen, die die Augen mit Blut versorgen, waren verkalkt. Ihr Ex-Freund Oliver ist der Letzte, den Susanne jemals gesehen hat, die Schäden waren irreparabel. Im Fußballstadion ist Susanne mein Anker in der Dunkelheit. "Wenn was ist, einfach am Ärmel zuppeln", hat sie vor dem Spiel gesagt. Gut zu wissen. Die Luft vibriert vom Jubel Als ich sie fragen will, wie sie die Masse erfühlt, plötzlich ein Aufschrei von allen Seiten. "Elfmeter!", rufen die Fans um uns herum. Ich möchte mir am liebsten sofort die Augenbinde abreißen. Mein Kommentator sagt: "Ich schaue noch mal auf die Wiederholung." Dann erklärt er die Szene. Wie sieht jemand ein Spiel, der seit zehn Jahren nichts mehr sieht? "Was unsere Reporter erzählen, setze ich in meinem Kopf in Bilder um", sagt Susanne. Sie weiß noch von früher, wie ein Fußballfeld aussieht. Sie kennt Farben. Einmal hat sie eine Freundin, die schon lange blind ist, gefragt, ob die Erinnerung an die Farben verblasst. Tut sie nicht. Susanne sagt: "Ich träume intensiver, seit ich blind bin. Und die Träume sind immer in Farbe." In ihrem Schlafzimmer hängt ein Poster an der Decke: das Mannschaftsfoto von 2006. "Das war die Saison, als Hertha ganz in Weiß gespielt hat. Das muss klasse aussehen", erzählt sie und lacht: "Seit ich das Poster habe, sage ich Im Stadion ist inzwischen das zweite Tor gefallen, irgendwann in der zweiten Halbzeit. Ich habe kein Zeitempfinden mehr. Doch das Spiel ist entschieden. |
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