B.Z., 26. Mai 2010
Experten für Sehbehinderungen beantworten Leserfragen zu Diagnose und Hilfsmitteln.
von Beate Drews
Foto: Manfred Scharbach, ABSV und Prof. Dr. Carl Erb, Chefarzt der Augenheilkunde an der Schlosspark-Klinik Berlin
Wenn das Augenlicht nachlässt, verändert sich das ganze Leben. Oft ist man im alltäglichen Leben auf Hilfe angewiesen, der Job leidet und soziale Kontakte werden schwieriger. Kein Wunder, dass die Experten der B.Z.-Telefonaktion unzählige Anrufe zu Therapien und Hilfsmitteln bekamen.
Diagnose
Was passiert bei einer altersbedingten Makula-Degeneration (AMD)?
Die Sehschärfe lässt nach und manchmal treten Verzerrungen auf. Ursache dafür ist die Veränderung der Makula. Das ist der Bereich der Netzhaut, der fürs scharfe Sehen zuständig ist.
Woran erkennt man den grünen Star (Glaukom)?
Das Glaukom bereitet meist keine Schmerzen, und Gesichtsfeldschäden werden oft erst sehr spät bemerkt. Beim Glaukom wird der Sehnerv geschädigt, häufig durch einen erhöhten Augeninnendruck. Das kann der Augenarzt leicht feststellen.
Kann man schon bei kleinen Kindern eine Sehschwäche feststellen?
Ja. Der Augenarzt kann ausmessen, ob Ihr Kind eine Brille braucht. Das gilt vor allem für Risikokinder, deren Eltern oder Geschwister schielen oder einen anderen Sehfehler haben.
Ab und zu sehe ich Lichtblitze. Ist das gefährlich?
Ja. Damit sollten Sie sofort zum Augenarzt gehen, denn es kann sich dahinter ein Riss in der Netzhaut verbergen. Dieser kann durch Laser behandelt werden. Sonst kommt es im schlimmsten Fall zu einer Netzhautablösung. Daran kann man erblinden.
Therapie
Mein Arzt hat bei mir eine AMD festgestellt. Was kann ich tun?
Für die Behandlung der feuchten Form der AMD gibt es neue Methoden, die den Krankheitsverlauf stoppen können. Hierbei werden Medikamente mit einer dünnen Nadel praktisch schmerzfrei in das Auge gespritzt. Aktuelle Informationen gibt es auf der Vortragsveranstaltung am 3. Juni im ICC – siehe Infokasten.
Warum soll ich als Diabetiker meine Augen kontrollieren lassen?
Durch Diabetes kann sich die Netzhaut verändern. Das ist die häufigste Erblindungsursache in den westlichen Industrieländern. Wichtig: Regelmäßige Kontrolle des Augenhintergrundes und optimale Einstellung von Blutzucker und Blutdruck.
Hilfsmittel
Welche Hilfsangebote gibt es?
Man kann sich beim ABSV kostenlos beraten lassen, u.a. zur Beantragung von Blindengeld oder des Schwerbehindertenausweises.
Welche Hilfsmittel gibt es für mich?
Praktisch sind z.B. sprechende Uhren und Waagen, Eingießhilfen für Getränke, spezielle Nagelfeilen, Vergrößerungsspiegel.
Ich sehe kaum noch etwas, möchte aber möglicht selbstständig bleiben. Wer kann mir dabei helfen?
Es gibt Trainingsangebote für den Alltag in der eigenen Wohnung, aber auch Angebote zur Orientierung und Mobilität im öffentlichen Straßenland und im Nahverkehr.
Können sehbehinderte Menschen normale Büroarbeiten machen?
Ja. Es gibt spezielle Softwareprodukte, Großschriftprogramme und sogenannte Screenreader bzw. Bildschirmleseprogramme. Blinde und sehbehinderte Menschen bekommen die Infos entweder akustisch oder, wenn sie die Blindenschrift beherrschen, über eine spezielle Tastatur, eine sogenannte Braillezeile.
Ich kann durch eine erbliche Netzhauterkrankung nicht mehr lesen. Meinen Job werde ich wohl verlieren. Wer hilft mir?
Gehen Sie in die Beratungsstelle für Sehbehinderte im Bezirksamt Mitte (Reinickendorfer Straße 60b, 13347 Berlin, Termine unter Tel: 901845246) oder in den ABSV. Dort wird getestet, mit welchen Hilfsmitteln Sie Ihre Tätigkeit weiter ausüben können und Sie erfahren, wer diese Hilfsmittel bezahlt. Die Beratung ist kostenlos.
Wichtige Adressen und Veranstaltungstermine für Sehbehinderte:
Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV)
Auerbacher Str. 7, 14193 Berlin (Nähe S-Bahnhof Grunewald), Bus M19, 186, Tel. 89588-0, info@absv.de Beratung, Mobilitätstraining, Freizeitangebote, Hilfsmittel für Sehbehinderte und Blinde
Beratungsstelle für Sehbehinderte im Bezirksamt Mitte
Reinickendorfer Str. 60 b, 13347 Berlin, Tel. 9018 45246
Optikergeschäfte mit vergrößernden Sehhilfen
www.low-vision-berlin.info, Tel. 54 37 69 20
Blindenwohnstätten Berlin
Haus Spandau:
Niederneuendorfer Allee 6-9, 13587 Berlin, Tel. 33 50 06-0
Haus Weißensee: Berliner Allee 193-197, 13088 Berlin, Tel. 962 51-0
Wichtige Termine:
Vortragsveranstaltung für Augenpatienten zum Weltkongress der Augenheilkunde mit Prof. Dr. Carl Erb, Prof. Dr. Nicole Eter und Dr. Robert Finger, Termin: Donnerstag, 3. Juni 2010, 9-13 Uhr, Ort: ICC, Messedamm 22, 14055 Berlin, Eingang Nord, Raum Stockholm (S-Bahnhof Messe Nord/ICC), Anmeldung (unbedingt erforderlich): Tel. 895 88-0
Sehbehindertensonntag am 6. Juni 2010, 10 Uhr: Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Breitscheidplatz
Makula-Stammtisch im ABSV, 21. Juli 2010 um 16 Uhr, Anmeldung Tel. 89588-0
Vorträge zur AMD im ABSV, 13.10. u. 24.11. um 15.30 Uhr, Anmeldung Tel. 89588-0
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