In welcher Zeit möchten Sie leben?

ABSV-Info 21/2026 vom 01.04.2026

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden erneut die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Für viele Menschen bedeutet das nicht nur eine verlorene Stunde Schlaf, sondern auch Tage der Umgewöhnung. Studien zeigen seit Jahren, dass die halbjährliche Zeitumstellung den Biorhythmus belastet und langfristig sogar gesundheitliche Auswirkungen haben kann.

Die Diskussion um die Abschaffung der Zeitumstellung ist daher nicht neu. Sowohl die EU-Kommission als auch die Bundesregierung beschäftigen sich seit geraumer Zeit mit möglichen Lösungen. Bisher scheiterten alle Ansätze jedoch an einer zentralen Frage: Soll dauerhaft Sommerzeit oder Winterzeit gelten?

Eine neue Initiative verfolgt nun einen anderen Ansatz: Unter dem Motto „Zeit für alle“ wird aktuell ein Modell erprobt, bei dem Menschen selbst entscheiden können, in welcher Zeit sie leben möchten. Statt einer einheitlichen Uhrzeit sollen individuelle Zeitmodelle ermöglicht werden, die sich am persönlichen Biorhythmus orientieren.

Unterstützt wird das Modell durch flexible Arbeitszeiten und die zunehmende Digitalisierung, die eine zeitunabhängigere Zusammenarbeit ohnehin erleichtert. Auch die Gewöhnung an unterschiedliche Zeitrealitäten ist längst vorhanden – so ist bei Bahnfahrten eine gewisse Toleranz gegenüber dem Fahrplan inzwischen Alltag, während eine punktgenaue Übereinstimmung eher als überraschendes Einzelereignis wahrgenommen wird.

Pilotprojekte laufen bereits im kleinen Rahmen. Erste Ergebnisse zeigen, dass viele Teilnehmende produktiver arbeiten und zufriedener sind. Nach erfolgreichen Tests mit gemischten Gruppen startet nun eine nächste Phase.

Aktuell richtet sich das Projekt verstärkt an blinde und sehbehinderte Menschen. Die Initiatoren begründen dies damit, dass in dieser Gruppe die Orientierung am natürlichen Hell-Dunkel-Rhythmus oft weniger stark ausgeprägt ist oder anders wahrgenommen wird. Dadurch, so die Annahme, könnten sich individuelle Zeitmodelle besonders unverfälscht erproben lassen. Zugleich erhofft man sich wichtige Erkenntnisse darüber, wie gesellschaftliche Abstimmungen unabhängig von visuellen Zeitankern funktionieren können – ein Aspekt, der für die breite Umsetzung als zentral gilt.

Interessierte können sich ab sofort für eine Teilnahme registrieren. Voraussetzungen sind ein gewisses Maß an Flexibilität sowie die Bereitschaft, Zeitverschiebungen zu anderen Bevölkerungsgruppen zu tolerieren. Während der Testphase kann es vereinzelt zu kleineren Abstimmungsproblemen kommen. So berichten einige Teilnehmende, dass sie zu Terminen konsequent zu früh erscheinen oder Veranstaltungen erst im fortgeschrittenen Verlauf erreichen. Diese Effekte sollen sich laut Initiatoren jedoch mit zunehmender Verbreitung angleichen.

Die Teilnahme ist kostenfrei.

Für eine möglichst valide Datengrundlage beginnt die Testphase einheitlich am 1. April und wird zunächst auf unbestimmte Zeit angesetzt.

Zur Anmeldung klicken Sie bitte hier:
Anmeldung zum Projekt „Zeit für alle“

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