„Die Marquise von O. und –“, Theaterstück mit audiodeskriptiver Einführung
19:00 bis 20:55 Uhr
Deutsches Theater
In einer norditalienischen Festung geschieht das Undenkbare: Während russische Truppen die Stadt stürmen, wird die verwitwete Marquise von O. beinahe Opfer eines Übergriffs – bis ein russischer Offizier, der Graf F., sie scheinbar heldenhaft rettet. Er verschwindet nach dem Angriff ohne ein Wort, und alles scheint überstanden. Einige Wochen später stellt sie jedoch entsetzt fest: Sie ist schwanger. Ohne Erinnerung. Ohne Einwilligung. Und ohne eine Person, die ihren Unschuldsbeteuerungen Glauben schenkt. Verstoßen von der Familie sucht sie per Zeitungsannonce nach dem, der sie vergewaltigt und geschwängert hat.
Heinrich von Kleist veröffentlichte 1808 seine Novelle mit dem Hinweis „Nach einer wahren Begebenheit” und berichtet sachlich, nüchtern und in genauem Detail von der Geschichte der Marquise, nur für den Moment der Tat selbst setzt er den vielleicht berühmtesten Gedankenstrich der Weltliteratur: Die Sprache versagt, und es entsteht ein abrupter Schnitt dort, wo eigentlich das Entscheidende stehen müsste.
Die ungarische Regisseurin Ildikó Gáspár verwebt drei weitere Fälle „nach wahren Begebenheiten“ mit dem der Marquise. Vier Frauen. Drei Jahrhunderte. Und doch dieselben Muster: Gewalt. Schweigen. Schuldumkehr. Aber auch: Widerstand. Stimme. Wandel. Sie alle erzählen uns, was passiert, wenn Frauen nicht länger schweigen, wenn sie den Raum der Scham verlassen und die Täter dorthin zwingen.
Link zur audiodeskriptiven Einführung hier.
Ort
Deutsches Theater Berlin
Schumannstraße 13a
10117 Berlin
Kosten
Zwischen 8,00 Euro und 59,00 Euro. Bei Zeichen „B“ im Schwerbehinderten-Ausweis gibt es zwei Karten zum Preis von einer.
Anmeldung
Telefon: 030 28 44 12 21,
erreichbar 15:00 Uhr - 18:30 Uhr
E-Mail: service@deutschestheater.de